Seltener krank durch sinnerfüllte Arbeit: Der AOK Fehlzeitenreport 2018

Mit einer 180 Jahre alten Antriebstechnologie baut Tesla Elektroautos für die Zukunft. Der AOK Fehlzeitenreport 2018 zeigt auf, wie ein immerhin 80 Jahre altes Konzept das Betriebliche Gesundheitsmanagement aufmischt und zukunftsfähig macht.

„Erleben Beschäftigte ihre Arbeit als sinnstiftend, so wirkt sich das positiv auf ihre Gesundheit aus: Sie fehlen seltener am Arbeitsplatz, haben deutlich weniger arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und halten sich im Krankheitsfall häufiger an die ärztlich verordnete Krankschreibung.“ Soweit die Pressmitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK in Deutschland (WIdO).

Sinn erhöht die Produktivität

Alljährlich beschreibt der AOK Fehlzeiten-Report den Zusammenhang zwischen Betrieblichem Gesundheitsmanagement und Produktivität in der Arbeit. Für den aktuellen Bericht wurden 2.030 Erwerbstätige in einer repräsentativen Umfrage befragt. Über 90 Prozent der Befragten finden wichtig: Gute Zusammenarbeit mit Kollegen, ein gutes Betriebsklima, die Loyalität des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitenden und ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten. Sind diese Grundvoraussetzungen erfüllt, erleben die Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnvoll und sind im Durchschnitt etwa 9 Tage im Jahr krank. Wird das Sinnbedürfnis nicht erfüllt, dann verdoppeln sich die Krankenstände sprunghaft auf knapp 20 Tage.

Sinn verringert Präsentismus

Besonders auffällig: Wenn die Arbeit nicht als sinnstiftend erlebt wurde, dann ging jeder vierte Befragte trotz Krankschreibung durch den Arzt zur Arbeit. Wird die Arbeit als sinnvoll empfunden, gingen deutlich weniger Mitarbeiter krank zum Arbeitsplatz. Offensichtlich zeigen Menschen, die in einem sinnerfüllten Umfeld arbeiten, auch sich selbst gegenüber mehr Wertschätzung. Auf insgesamt 600 Seiten beschreibt der Report sehr deutlich, was sinnerfüllte Arbeit bewirkt, aber auch die Folgen von Entfremdung, Frust und Sinnlosigkeitsgefühl im Job. Ein wichtiger Warnhinweis: 97 Prozent der Befragten wünschen sich Loyalität des Unternehmens, aber nur 69 Prozent erleben ihren Arbeitgeber als Loyal. Da gibt es noch „Luft nach oben“.

Auf Bewährtes vertrauen

Was sollten Unternehmen daher tun? Gleich auf den ersten beiden Seiten des Fehlzeitenreports wird ein Experte zitiert, der sich Zeit seines Lebens mit der praktischen Beantwortung von Sinnfragen beschäftigt hat: Der Wiener Arzt Viktor E. Frankl hat bereits in den 1930er Jahren ein überzeugendes und tragfähiges Konzept beschrieben, um auch unter den widrigsten Umständen den persönlichen Sinn zu bewahren. Wenn Tesla mit einer 180 Jahre alten Antriebstechnologie zukunftsweisende E-Autos bauen kann, dann können moderne Unternehmen auch auf ein 80 Jahre altes Konzept vertrauen, damit die Mitarbeitenden in Zeiten von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Widersprüchen den Sinn ihrer Arbeit nicht aus den Augen verlieren.

Viele Wege führen zum Sinn

Das kann ich aus meiner eigenen Führungserfahrung ebenso bestätigen, wie in der Zusammenarbeit mit meinen Kunden: Wenn Führungskräfte Sinnkompetenz entwickeln, dann sind die Mitarbeitenden engagierter, stärker ans Unternehmen gebunden und werden seltener krank. Dazu gehört auch die Einsicht, dass Sinnerfüllung individuell und situativ unterschiedlich ist. Der Belegschaft den „Purpose“ des Unternehmens deutlich zu machen, garantiert noch lange nicht, dass die einzelnen Mitarbeiter ihren persönlichen Sinn in der Arbeit finden. Genau dazu gibt es bei Frankl sehr wertvolle Anleitungen, denn Sinn kann auf ganz unterschiedlichen Wegen gefunden werden: Durch eine herausfordernde Aufgabenstellung, durch das bewusste Wertschätzen der positiven Seiten des Jobs, durch ein sinnerfülltes Miteinander im Team und letztlich auch durch die innere Einstellung zu unabänderlichen Rahmenbedingungen.

Immer mehr Organisationen erkennen den direkten Zusammenhang zwischen sinnerfüllter Arbeit und Mitarbeiter-Engagement, sowie deren Gesundheit. Wie Sie das als UnternehmerIn, Führungskraft oder auch als MitarbeiterIn in Ihrer spezifischen Situation praktisch umsetzen können, ist in meinem Buch „Arbeit, Sinn und Motivation“ nachzulesen:

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Titelfoto: Fotolia.de
Buchcover: Braumüller Verlag Wien